beelogger

Wie weit fliegen meine Bienen? Ferne und nahe Tracht

Es ist Mai 2020, die Sonne scheint, die Robinienblüte ist im vollen Gange. Was verrät uns unser beelogger jetzt?

Bei gleichem Wetter zeigt jeder Tag das gleiche Muster (das Datum steht unten auf der X-Achse). Die nach unten gerichtete Gerade zeigt die Aufdickung des gesammelten Neckars über Nacht. Beim ständigen Umfüllen entweicht das Wasser und das Gewicht nimmt kontinuierlich ab (je nach eingetragener Menge und Temperatur, ca. 30 bis 100g/h, bis zu 1kg pro Nacht). Keine Biene verlässt den Bienenstock, die Linie zeigt kaum Schwankungen. Die Robinienbäume stehen in ca. 500 bis 1000m Entfernung von meinem Bienenstand. Morgens nimmt das Gewicht schnell ab, in diesem Beispiel um ca. 800g. Das bedeutet, dass viele Tausende Bienen rausfliegen, bald kehren die ersten mit Ihrer Ladung Nektar zurück, das Gewicht nimmt wieder zu. Es sind ca. 8000 Flugbienen unterwegs.

Gewichtsverlauf eines starken Bienenvolkes bei schönem Wetters und Robinienblüte

Gewichtsverlauf eines starken Bienenvolkes bei schönem Wetters und Robinienblüte

 

Bevor wir versuchen, die Tracht-Entfernung empirisch zu ermitteln, benötigen wir noch einige solche Fälle mit bekannter Entfernung der Tracht. Anfang Juni 2020 herrscht unbeständiges Wetter. Die Sonne wechselt sich ständig mit Wolken ab und es gibt immer wieder kurze Sommerschauer. Die Linde blüht, doch unter diesen Bedingungen muss sie lange auf die ersten Besucher warten. Der Gewichtsverlauf ist schwer interpretierbar, nur der geradlinige nächtliche Verlauf des Gewichts ist jede Nacht zu erkennen, das ist die Verarbeitung (Aufdickung) des Nektars. Tagsüber können die Bienen nur kurz und mit unterschiedlichem Erfolg fliegen, manche Gewichtsbuckel entstehen nur durch den Druck der fallenden Regentropfen und den Wasserfilm auf dem Blechdeckel, der sich nach dem Regen schnell wieder auflöst. Größere Gewichtszunahmen können erst am 10. Juni wieder festgestellt werden. Die Gewichtsabnahme nach dem ersten Abflug beträgt in diesem Fall max. 50g. Gerade haben sich ein paar Hundert Bienen auf den Weg gemacht, kehren schon die ersten mit dem Nektar zurück. Die Lindenbäume sind in unmittelbarer Nähe, die Entfernung beträgt ca. 50m.

Gewichtsverlauf eines starken Bienenvolkes bei unbeständigem Wetter und Lindenblüte

Gewichtsverlauf eines starken Bienenvolkes bei unbeständigem Wetter und Lindenblüte

 

Eine Biene fliegt bei Windstille mit bis zu 30km/h durch die Gegend [2], beladen mit bis zu 50mg Nektar und Pollen kommt sie immerhin auf 20km/h. Die mittleren Geschwindigkeiten auf Langstrecken mit Wind und Wetter sind aber viel niedriger. Die Zeit die eine Biene für eine Ladung von Pollen und Nektar braucht lässt sich schwer abschätzen, sie muss 200 bis 300 Blüten besuchen bevor sie wieder ihren Rückflug eintritt. Da die Verweilzeit beim Sammeln der Tracht viel länger ist als die Flugzeit, lässt sich die Entfernung zur Tracht nicht aus der Gesamtflugzeit bestimmen. Hier muss eine indirekte Methode angewandt werden: die Sammelbienen (auch Flugbienen genannt) machen ca. 1/3 der Gesamtstärke eines starken Bienenvolkes (bei schwachen Völkern ist der Anteil kleiner). Das sind bei einem Bienenvolk 10.000 bis 20.000 Flugbienen.

Die Gewichtsabnahme am Anfang zeigt eigentlich nur die Zeit vom ersten Abflug bis zur Herstellung eines kontinuierlichen Trachtflusses von Trachtfeld bis zur Bienenbeute. Je mehr Bienen hier bei der Gewichtsanzeige fehlen, desto mehr befinden sich verteilt auf dem Weg und auf den Blüten der Tracht. Je größer die Entfernung, desto mehr Bienen befinden sich gerade auf dem Hin- oder Rückflug. Mehr lässt sich theoretisch nicht ableiten, aber empirisch. Die Entfernung zur Tracht ist bekannt: ca. 0,5 bis 1km bei der Robinientracht, die Lindentracht ist in unmittelbarer Nähe ca. 50m. Empirische Formel würde wie folgt lauten

– die Trachtentfernung in Meter entspricht etwa der Gewichtsabnahme beim Abflug in Gramm!

Schön einfach und eindeutig, funktioniert das aber nur bei starken Trachten die sich nur an einer bestimmten Stelle befinden und nicht überall verteilt sind. Die Volksstärke oder der Wind beeinflussen die Ergebnisse jedoch stark.